von links: Karl-Heinz Stapper, Ludger Plugge, Hedwig Reckert, Karin Kötter, Hermann Schmidt, Georg Reinermann, Elisabeth Wulf, Theo Weischer

DE TÜÜNERS

DE TÜÜNERS

Er nennt sich selbst „Schriewerkrink”, auf Hochdeutsch „Schreiberkreis“. Die acht niederdeutsch schreibenden Autoren, die sich regelmäßig zur Lesung eigener Texte und zu gegenseitiger konstruktiver Kritik treffen, lieben alle die plattdeutsche Sprache und setzen sich für deren Erhalt ein. Das Wort “tüünen” kommt aus der Wannenmacherei und bedeutet „flechten“. Somit „flechten“ die Emsdettener Schreiber mit plattdeutschen Worten. In den Ausgaben der jährlich dreimal erscheinenden Heimatblätter, die jeweils der Emsdettener Volkszeitung beiliegen, sind stets einige Texte der Tüüners abgedruckt.

Der Kreisheimatbund Steinfurt gibt jährlich das „Jahrbuch des Kreises Steinfurt“ heraus. In nahezu allen bisher erschienenen Jahrbüchern sind plattdeutsche Erzählungen und Gedichte aller Mitglieder des Schreiberkreises „De Tüüners“ abgedruckt.

Früchte ihrer bisherigen Arbeit sind die Bücher “Plattsaolaot” und „Plattsaolaot de twedde“. Beide Bücher sind voll gepackt mit lustigen, philosophischen und auch nachdenklichen Gedichten und Erzählungen in wunderschönem Platt. Das erste Werk „Plattsaolaot“ ist leider nicht mehr erhältlich.
Das zweite Buch „Plattsaolaot de twedde“ kann noch bestellt werden.

 

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Plasseer up Platt

Willi Kamp († 2016) veröffentlicht in seinem Buch ,,Plasseer up platt” 43 seiner EV-Kolumnen. Alle Texte sind noch in der ursprünglichen münsterländischen Mundart verfasst und nicht von später übernommenen hochdeutschen Wendungen beeinflusst. Zahlreiche Bilder illustrieren die Texte.

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Gedichte der Tüüners

Es folgen einige Gedichte bzw. Erzählungen der Tüüners. Diese Werke werden regelmäßig auf dieser Seite ausgetauscht, so dass mit der Zeit das Spektrum der Autoren an dieser Stelle zu sehen ist.

 

Wat wäör, wenn …?
von Hedwig Reckert

Wat wäör ut usse Wiehnachten wuorn,
wenn wi dän Krieg nich hadden völuorn?

Wat wäör met Maria un Josef un dat Kind in'n Stall?
Dat wäören doch Juden, up jeden Fall.

In Hitlers Rassenwahn droffen bloß Arier liäwen,
de gaase Judeniärss` soll doch stiäwen.

Wat wäör ut usse Religion dann wuorden,
wenn wi dän Krieg nich hadden völuorn?

Schiälende Midde
von Georg Reinermann

Een Menskenliäben, froh un licht,
krigg miäst in’t Oller schwaor Gewicht.
De Kraft lött nao, auk de Vöstand,
nix gaiht di licht mähr von de Hand.
Alldage spüörs du dän Völüss,
et is, äs höngs du an een Krüüs.

Guods Suohn, de höng vüör langer Tiet
auk an een Krüüs, de Arms gaas wiet.
He wull friemaken di un mi
von Angst un Suorg, Unsiekerie,
woll miene Midde sien un nie
mi driägen, helpen, stiewen mi.

Pat wann dat Glaiwen an em schiält,
du Hölp söchs blaus von düsse Wiält,
dann häs de Midde du völuorn,
völaten bis, nich nie gebuorn,
un gaihs antlest auk von de Wiält
gaas aohne Traust, de Midde schiält.

Miene kleene Ukulele
von Elisabeth Wulf

Se ligg so leiw in mienen Arm,
un mäck mi Hiärt un Siäle warm.
Ick quiälde mi all länger aff,
dat se schöne Tönkes gaff.

De Gitarre is to graut,
dat ick se niëm up mienen Schaut.
De Klank is week, Akkorde klingt,
wenn wi met Vöstärker singt.

Mien Süster häff nu unvöhofft
mi ´ne Ukulele kofft.
Nu mak ick een’n Kursus met,
dat’t met Spiëlen auk wat wätt.

Veer Sieten häff de kleene Dott,
well man düfftig Strieken mott.
Wenn se auk kleen un hännig is,
brengt se Freide gaas gewiss.

In de kleenen, stillen Höke
ick de Kranken faak besöke.
Met de Ukulele mien
wätt so lichter manke Pien.

Kumm to, wi willt nao buten gaohn
von Theo Weischer

Häör, Katrin, häör, de School is ut.
Mak an un pack de Saken!
De Sunne schinnt. Harut, harut!
Lao´t buten us wat maken.

Is auk de Wind no schrao un kaolt,
un fallt auk manks no Flöckskes,
de Sunne schinnt düör´t hauge Holt
un lockt de witten Glöckskes.

Kumm to, wi willt nao buten gaohn
un lustern up de Vüegel.
Villicht häör wi den Gaitling slaon
up ussen leiwen Hüegel.

Et is Suundagsmuorns sien´n Gank
von Hermann Schmidt

Sunndagsmuorns an´n End von de Wiärk
mäck he sick up´n Patt nao de Kiärk.
De Straoten sint lürig, et is still,
dao grinnt ´n Kind, weil´t upstaohn will.
De Öllern schennert schmö un sacht:
„Du moss no slaopen, is no Nacht!“

De Klocken düör dän Muorn schallt:
„Kuemt no Kiärk!“ An de Hües hallt.
Se lüüt´t met ´n mahneden Klank:
„Sägg auk Du Dien Härguott Dank!“

In Gemeinschopp biäden vöreent,
Mensken, de sick nao Friäden sehnt.
Un in´n Bispiëll de Liäsung sägg:
Söke för´t Heil dän rechten Wägg.

De Leeder doht em licht waigen,
üm sick in Andacht to vönaigen:
För dän, de äs de Gröttste tellt,
un siene Hand üöwer em hölt.

He höllt sick an de Geschichte:
Met´n Glauben gaiht viëles lichte!
Düssen Gank Sunndags nao de Kiärk
giff em Moot för de naigste Wiärk.

von Karl-Heinz Stapper

Wenn nu de iärste Käse brennt,
dann wätt et still, et is Advent.
To Hiärten geiht us düsse Tiet,
un Wiehnachten is nich mähr wiet.

Et giff pat auk de Giënsiete.
Et geiht üm Reibach un Profite.
De Kauphüser häbbt Konjunktur,
ut Wiehnachtsinkaup wätt Tortur.

Et drubbelt sick an alle Kassen
in Drockte un in Hassebassen,
de Mussik spiëlt in ene Tour:
Wiehnachten in Moll un Dur.

Advent, dat sall us Gnaode brängen
Un de Menskheit Friäden schenken.
Advent is hier up Äern:
Wochten up dän Häern.

Wenn dann de veerte Käse brennt,
wist se den Wägg nao Betlehem,
wao usse Heiland wiehnachtlich
tüsken Oss un Iësel  ligg.

Dat Beld in siene Eenfakheit,
is olt äs usse Kristenheit.
Un alle Mensken up de Wiält,
wätt et alljäöhrlik ni vötellt.

von Ludger Plugge

Se is vüörbi, de Summertiet,
Dage küört’t all met Gewolt,
Baime baol dat Lauw afschmiet’t,
gröön-giälle Farwen straohlt.

De Hiärwst treckt an sien beste Kleed,
stäödsk‘  Baim‘ staoht up’n Wall,
Hiärwstastern löcht vigelett,
Sunn‘ schinnt fak üöwerall.

Kinner met Windvüëgel de laupt
dwiärs üöwer Wiesk un Kamp.
Se laot’t se stiegen hiëmelhaug,
met kriëgel Kinnerhand.

Hiärwstkäölde treckt düör de Gliewe,
de Wiärmte is vörbi,
Immen bliwt in üöhre Hüwe,
et knallt bi de Jagerie.

Eeken sühs faken du in’t Holt,
sust haug un dann wiër daal.
Dat Lecht is dimmstrig, Lucht nattkaolt,
jau, so is dat normaal.

Auk bi us Mensken kümp de Tiet,
wao’m sägg: Ick häbb noog daon.
Liäwenshiärwst kümp stiekum an,
will bi us sitten gaohn.

von Karin Kötter

Ick was män jüst enentwintig Jaohr, äs se mi mienen Jan in’n Arm leggt häbt. Mien Goud, wat was he sööt. Ik was bats völaiwt in dän kleenen Kääl.
Twe Jaohr läter dat glieke Spiël. Ower dütmaol was et ‘ne kleene Anna. Un wat för’n Wicht.

Ick häb dacht, so viël Glück kann et gar nich giëwen. Un ob! Us Leo, gebuoren an’n 8.8.88 soll mien Glük perfekt maken. De Häerguod häw dat so guët ment.
Se sint alle drei wat wuorden. Se sint alle drei fine Mensken. Un se müegt sick auk alle drei gäne liden.
Nä, wat häb ick dat guët. Manks mog’ck wuol grienen, vüör Glük.
Dat gönk nich biätter. Jau, dat häb ick dacht.
Un et gönk doch biätter.
Greta un Antonia hätt düt graute Glük.
Twe Wichtkes, so sööt äs Hoanig.
Un nu häw mi us Jan säggt, dat dat nao wieder geiht, met dat Glük.
In’n Februar kümp dat diärde Kinneskind.
Ick will ju wat säggen, wat dat gröttste Glük is:
Grautöller sien to drüewen, dat is dat gröttste Glük.