August Holländer (1891-1938)

 

  Von Willi Kamp aus den Heimatblättern Band III, Nr. 26 - 40. Jahrgang, November 1991 

überarbeitet von Dieter Schmitz im November 2009

August Holländer wurde am 30. November 1891 als ältestes von zehn Kindern in Emsdetten geboren. Wie damals üblich besuchte er sieben Jahre lang die Volksschule, lernte danach bei der Fa. Schilgen das Weben und konnte so zur Ernährung der Familie beitragen.

In den Jahren 1911/12/13 wurde er je einmal gemustert, jedoch wegen eines angeborenen Herzfehlers nicht eingezogen. Diese Krankheit war wohl auch der Grund dafür, dass er den Beruf wechselte und bei der Fa. Wameling eine kaufmännische Lehre begann. Auch die Ursache seines frühen Todes ist vielleicht hierin zu suchen.

Im Kriegsjahr 1915 wurde er für kurze Zeit Soldat, wegen seines Herzleidens nach einigen Monaten aber wieder entlassen. Er wurde kriegsverpflichtet und musste in Kevelaer einen kriegstauglichen Mann ersetzen. Dort arbeitete er bei dem Verlag  Butzon und Berker. Schnell erkannte man seine Fähigkeiten, und er wurde Privatsekretär des Chefs. Hier lernte er auch Augustin Wibbelt kennen, der in diesem Verlag drucken ließ.

Im letzten Kriegsjahr musste er wieder Soldat werden und in seiner Mannschaft Rüstungszüge durch Deutschland und in die besetzten Gebiete begleiten. Er kümmerte sich jedoch weniger um Kriegs- und Wehrtechnik, sondern studierte bei längeren Aufenthalten Land und Leute. So verfasste er Aufsätze über Flandern und erlernte die flandrische Sprache.

Nach Kriegsende kehrte er nach Emsdetten zurück und war fest entschlossen, einen Heimatverein zu gründen. Zum 6. Juli 1919 luden die „Antochmakers“ - wie sich August Holländer und Peter Funke damals selber nannten - zu einem großen plattdeutschen Unterhaltungsabend nach Kloppenborg, ein. Der Saal war brechend voll, als der „gemischte Chor, Dr. Friedrich Castelle und der bekannte Dichter Karl Wagenfeld auftraten. 

Bereits am 11. Juli wurde zur Gründung des Heimatvereins eingeladen. Sechzig Interessierte kamen gründeten den Heimatbund und traten ihm bei. August Holländer ließ sich, wie es seine Art war, nicht zum ersten sondern zum zweiten Vorsitzenden wählen. Dieses Amt bekleidete er bis zu seinem Tode. Auch das erste Heimatblatt, dessen Mitherausgeben er war, erschien noch im selben Jahr.

Im Jahr 1919 heiratete er Elisabeth Hagemann, die Tochter des Buchbinders Bernhard Hagemann von der Kirchstraße und führte das Geschäft unter seinem Namen weiter. Die Ehe blieb zu seinem Leidwesen kinderlos. Als seine Frau nach zehn Ehejahren starb, heiratete er 1931 Maria Hagel. Aus dieser Ehe gingen vier Kinder hervor: Marlies, Clemens August, Ursula und Bernhard.

August Holländer schrieb zahlreiche Aufsätze und Gedichte. Im März 1936 richtete er in elf Räumen im Dachgeschoss der damaligen Wilhelmschule (seit 1991 Paul-Gerhard-Schule) ein privates Heimatmuseum ein. Im Jahr 1937 kaufte die Stadt Emsdetten den Museumsbestand für 3000 RM und beauftragte ihn mit der Leitung des Museums.

August Holländer starb am 4. Februar 1938 im Alter von 47 Jahren. Er war niemals Mitglied der NSDAP. Wie schwer das damals für einen Geschäftsmann war, können nur Zeitzeugen ermessen.

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