Das Jahr 2008 im Rückspiegel des Heimatbundes

 

Der Heimatbund hat sich auch im vergangenen Jahr bemüht, den verschiedenen Interessen und Vorlieben der Mitglieder sowie der Nichtmitglieder gerecht zu werden.

Einer der Schwerpunkte der Arbeit des Heimatbundes ist die Pflege der plattdeutschen Sprache, um deren Erhalt langfristig zu sichern. Diesem Ziel hat sich Willi Kamp, der am 6. Juli seinen 80. Geburtstag feiern konnte, besonders verschrieben. In jedem Quartal des vergangenen Jahres moderierte er den traditionellen „plattdeutschen Morgen“, zu denen sich auch auswärtige Gäste einfanden. Zudem ist Willi Kamp der Sprecher der „ Tüüners “ im Vorstand. Die Tüüners sind eine Gruppe, die plattdeutsche Geschichten und Gedichte schreibt. Sie ist allein mit neun Beiträgen im Kreisheimatjahrbuch 2009, das am 22. Okt. 2008 in Westerkappeln vorgestellt wurde, vertreten. Willi Kamp, der auf Kreisebene dem Fachbereich  „Plattdeutsche Sprache“ und dem Redaktionsteam des Kreisheimatjahrbuches angehört, spricht mit seiner plattdeutschen Kolumne Woche für Woche viele Leser der Emsdettener Volkszeitung an. Darin zieht er immer wieder Vergleiche zu aktuellen Themen mit der Zeit, als in Emsdetten noch die meisten Menschen Plattdeutsch sprachen.

Genauso intensiv, wie Willi Kamp sich für den Erhalt der plattdeutschen Sprache einsetzt, bereitet Helmut Rauer nun schon seit Jahren „ seine “ sechs Tages- und Mehrtagesfahrten akribisch vor, die immer wieder großen Zuspruch finden. Während der Fahrten agiert er als umsichtiger und hilfreicher Reiseleiter, voll im Dienste der Reiseteilnehmer. Die vier Tagesfahrten des vergangenen Jahres führten nach Braunschweig, Monschau / Eifel, Cuxhafen- Duhnen und ins Münsterland (Pferdegestüt in Warendorf , Schloss  Nordkirchen und Rosenfest in Seppenrade). An diesen Fahrten nahmen insgesamt 224 Personen teil. An der Viertagesfahrt zur Ostsee (Kühlungsborn) erfreuten sich 39 Teilnehmer. Besonders gefragt war die Sechstagefahrt zum Chiemgau (Waging a. See). Zum Glück konnte dafür noch ein zweiter Termin  angeboten werden, so dass alle 86 Interessierte daran teilnehmen konnten.

Für diejenigen, die gerne mit dem Fahrrad unterwegs sind, bereitete Heinz Poggemann, der inzwischen jeden Weg in der näheren Umgebung von Emsdetten kennt, acht  Pättkestouren vor, die von insgesamt 237 Personen abgefahren wurden. Jede dieser Touren enthält natürlich auch eine Einkehrmöglichkeit. Genauso wie die Pättkesfahrer verbindet auch die Wanderer das Gemeinschaftserlebnis und die Nähe zur Natur. An den 14 Monatswanderungen und 6 Winterwanderungen, die vom Team Walter Brüning, Norbert Lüke, Heinz Poggemann, Franz-Josef Siermann und Peter Pleimann vorbereitet wurden, beteiligten sich insgesamt 464 Personen.

Der Heimatbund bietet auch denjenigen, die bereit sind, sich körperlich für den Erhalt der Natur einzusetzen, eine Möglichkeit. Die neun Männer der „Vienndüwelgruppe “: Reinhold Schwennen, Hubertus Kellers, Bernhard Wermers, Karl Kümper, Josef Sterthaus, Norbert Lüke und deren Sprecher im Vorstand Gerhard Helmers haben sich zum Ziel gesetzt, das Hochmoor auf dem Emsdettener Venn für die Nachwelt zu erhalten. Dafür haben sie in der Zeit vom 22. Sept.`08 bis zum 9. Febr.`09 am Kranzbeerenweg zwei große Flächen  von insgesamt ca. 38.000m² nachentbirkt. Diese Arbeiten nahmen an 52 Tagen 1386 Stunden in Anspruch. Sechs Männer der Gruppe haben im April die rund um Emsdetten aufgestellten Tischgruppen und Bänke auf ihre Sicherheit überprüft und in Ordnung gebracht . Der Heimatbund unterhält 15 Einzelbänke, 22 Tischgruppen (mit zwei Bänken), zwei Tischgruppen (mit einer Bank), den Wanderpilz und 3 Regenschutzhütten. Eine Tischgruppe wurde neu aufgestellt, zwei Tische und vier Bänke mussten erneuert werden. Alle Bänke und Tische sowie der Wanderpilz und die drei Regenschutzhütten wurden gestrichen. Diese Arbeiten  wurden an neun Tagen in 218 Stunden durchgeführt. Auch die Geselligkeit der Gruppe kam nicht zu kurz. Am 24. April trafen sie sich nach einem Besuch der Emsdettener Feuerwehr zur Jahresabschlussfeier im Kolpinghaus. Eine Halbtagesfahrt führte die Gruppe neben ihren Frauen und anderen Interessenten am 24. Juni zum Emsland Moormuseum Geeste-Groß Hesepe. Am 18. Dez. konnten Karl Kümper und Ludger Venker ihr 25-jähriges Jubiläum in der Vienndüwelgruppe feiern. In einer kleinen Feierstunde wurden sie geehrt.

Annähernd gleichgeblieben sind die Besucherzahlen der beiden Museen, die im Auftrage der  Stadt vom Heimatbund betreut werden. Zahlenmäßig und auch personell hat es bei den neun Museumsführern keine Veränderungen gegeben. Die fünf Museumsführer des Wannenmachermuseums konnten insgesamt 1470 (Vorjahr: 1491)Besucher durch die Räume führen. In dieser Zahl sind 13 Schulklassen mit 301 Schülern enthalten. Wegen der Einzigartigkeit des Wannenmachermuseums fallen die Zahlen schon seit Jahren höher aus als die des August- Holländer- Museums, das von 1190 Personen (Vorjahr: 1250) besucht wurde. In dieser Zahl sind zwei Schulklassen der Paul- Gerhard- Schule mit 62 Schülern enthalten. Alle Museumsführer werden im Vorstand durch Helmut Rauer vertreten.

Im Juni fielen die Besucherzahlen für die beiden Museen am höchsten aus, zurückzuführen auf den Bauernmarkt, der am 22. Juni auf Hof Deitmar stattfand. Der Heimatbund beteiligte sich auch mit eigenen Aktionen am fünften Emsdettener Bauern- und Blumenmarkt. Noch nicht identifizierte Fotos aus dem Holländer- Nachlass waren ausgestellt. Die Besucher wurden gebeten, Personen, Gebäude und Orte darauf zu benennen. Zudem wurden in zwei Vorführungen Fotos, die Ewald Wietkamp auf einer DVD „ Emsdetten in alten Zeiten “ zusammengestellt hatte, gezeigt. Die Ahnenforschungsgruppe erklärte beispielsweise das Urkataster von 1909. Kinder hatten Gelegenheit, unter Anleitung von Frau Schulze- Everding aus Münster den Druck mit Modeln zu erlernen. Walter Brüning bot seine künstlerischen Holzarbeiten zum Kauf an. Auf dem Flohmarkt konnte Altertümliches zu wirklich kleinen Preisen erworben werden.

Gut 80 Personen folgten am 20. Mai der Einladung des Heimatbundes zum Maisingen auf Hof Deitmar. Nach der Maiandacht, die Pfarrer em. Bernhard Köster vor der Marienstatue im Parkt leitete, wurden Frühlingslieder gesungen, die ebenso wie die Marienlieder von Heinz Holtfrerich  am Keyboard begleitet wurden. Ebenfalls moderierte und begleitete er die Lieder beim Sommersingen im Pavillon des Krankenhauses am 27. August. Er war es auch, der im  Auftrag des Heimatbundes in Absprache mit der Stadt Emsdetten am bundesweiten Denkmaltag am 14. Sept. unter dem Motto „ Vergangenheit aufgedeckt- Archäologie und Bauforschung “ den  Beginn, die Blütezeit und den Untergang des Max- Clemens- Kanals rund 65 Interessenten vorstellte. Mit seinem Bau vor 280 Jahren waren mehr als 1500 Arbeiter jahrelang  beschäftigt. Der Kanal, einst ein bedeutender Wirtschaftsfaktor der Region, der Münster über Holland mit der Nordsee verbinden sollte, ist in Emsdetten oft nur noch als Bodendenkmal zu erkennen.

Die Redaktion der Emsdettener Heimatblätter unter der fachkundigen Schriftleitung von Heinz Westkamp konnte auch im vergangenen Jahr über die EV allen Emsdettener Haushalten wieder vier Ausgaben zustellen lassen. Heinz Westkamp hatte als Schriftsetzer schon während seiner Zeit im Hause Lechte beruflich mit den Heimatblättern zu tun. Auch heute noch entwickelt er das Layout für jede einzelne Ausgabe.

Der Arbeitskreis „ Familienforschung und Geschichte Emsdettens“, den Willi Colmer im Vorstand vertritt, traf sich auch im 14. Jahr seines Bestehens regelmäßig jeden Monat, wobei die Mitglieder sich weiterhin über orts- und familiengeschichtliche Themen austauschten. Es ist  spürbar, dass das Interesse an den eigenen Wurzeln und die Lust an der Geschichte zugenommen haben.

Neben den normalen Aktivitäten gab es auch ein paar Sonderveranstaltungen wie der Fotovortrag über die Firma Schilgen in alten Zeiten. Aus einer alten Fotosammlung wurden über 70 Fotos aus dem zweiten Viertel des 20. Jahrhunderts den Mitgliedern und interessierten Gästen präsentiert. Insgesamt ein abwechslungsreiches Jahr in dem

17 Mitglieder zählenden Kreis. Neulinge sind nach wie vor an jedem zweiten Dienstag des Monats um 18.30 Uhr im Heimathaus herzlich willkommen.

Das traditionelle „ Moosessen“ des Heimatbundes fand am 15. November um 12.00 Uhr in der Gaststätte Mölljans statt. Da Wanderungen und Radfahren immer vor dem Essen angeboten werden, steht das Ganze unter dem Motto: „ Sick weggen un iärten“. Zwei Gerichte standen  den 72 Teilnehmern zur Wahl: Grünkohl  mit Mettwurst und Kassler sowie Rindfleisch mit Zwiebelsoße und Beilagen.

Ebenfalls in der Gaststätte Mölljans fand die Jahreshauptversammlung am 16. März mit  56 Teilnehmern statt. Besonders begrüßt wurden die Ehrenmitglieder Else Lamkemeyer und Helmut Rauer. Nach den üblichen Regularien und der Entlastung des gesamten Vorstandes standen die Neuwahlen an. Rudi Kattenbeck, Willi Colmer, Gerd Helmers, Hilde Jürgens und Willi Kamp (in Abwesenheit)wurden einstimmig für zwei Jahre wiedergewählt. Auch die Wahl der Kassenprüfer Ewald Wietkamp und Josef Voßkuhl (in Abwesenheit)fiel einstimmig aus. Georg Reinermann, der sich nicht zur Wiederwahl bereit erklärt hatte, wurde mit herzlichem Dank und einem Geschenk für seinen großen Einsatz über viele Jahre,   hauptsächlich bei der Vorbereitung des „ Bunten Abends“ , aus dem Vorstand verabschiedet. Im Anschluss an den offiziellen Teil der Veranstaltung wurden in einer Beamer- Präsentation historische Aufnahmen von Emsdetten aus dem Holländer – Nachlass gezeigt.

Nicht nur saisonmäßig, sondern ganzjährig ist Hilde Jürgens mit viel Engagement im Archiv im Einsatz. Immer wieder werden aus Nachlässen Schriftmaterialien abgegeben, so z.B. der Nachlass von dem verstorbenen Gert-Udo Scheideler, die gesichtet, erfasst, zugeordnet und registriert werden müssen. Franz- Josef Remmes speichert alle Materialien auf einem speziellen Computerprogramm, das ein schnelles Auffinden ermöglicht. Dieter Schmitz, der auch seit dem letzten Jahr als Pressewart fungiert, ist dabei, ein Fotoarchiv aufzubauen. In nunmehr ein einhalb Jahren hat er mehr als 2000 Fotos aus dem Holländer- Nachlass auf wiederum  einem speziellen Speicherprogramm archiviert. Da die Erben von Clemens- August Holländer von der Aufarbeitung der Fotos aus dem ersten Nachlass durch Ewald Wietkamp begeistert waren, haben sie noch weitere Kartons mit Fotomaterial bei ihm abgegeben, um auch diese Bilder von ihm scannen und bearbeiten zu lassen.

Ausverkauft war der Bürgersaal in Stroetmanns Fabrik, als der Heimatbund zum „Bunten Abend“ unter dem Motto:„ Dettschket  Platt- up jeden Patt“ am 14. Dez. eingeladen hatte. Willi Kamp hatte zusammen mit  Maria Oelck und Heinz Hölscher schon früh damit begonnen, ein vielfältiges und ansprechendes Programm zusammenzustellen, durch das Maria Oelck und Heinz Hölscher abwechselnd führten. In seiner Begrüßungsansprache stellte der Vorsitzende Manfred Schröder u. a. fest, dass die plattdeutsche Sprache ein wirklich wertvolles Kulturgut sei, das es zu erhalten gelte. Eingestimmt wurden die Gäste mit dem gemeinsamen Lied „Wiede Kämp un hauge Hieggen “ , das Rainer Oelck am Keyboard begleitete. Die beiden jüngsten Akteure, Sophie Lammert und Ludger Oelck, trugen „Dat Radpättkes-Leed “ von Paula Wilken vor. Maria Kötte erzählte das Märchen „De Simelibiärg“ auf Platt. Gesanglich ging es weiter im Programm mit dem Lied „ Et wassen twee Küöningskinner“, das die Sopranistin Simone Große Burlage mitfühlend erklingen ließ, begleitet von Heinz Hölscher mit der Gitarre. Maria Oelck erzählte von dem  bedeutenden Emsdettener August Holländer, der im Jahre 1938 mit nur 47 Jahren verstorben war, und trug einige seiner Gedichte vor. Überraschenderweise saßen auch August Holländers Kinder Bernd und Ulla im Publikum. Karl-Heinz Stevermüer und Reinhard Dahlmann kamen als Kiepenkerle auf die Bühne und sangen über das Münsterland, wie man es heute kennt.

Nach der Pause konnten die Gäste wieder selbst aktiv werden mit dem gemeinsamen Lied „ Wou schön iss mien Westfaolen“. Danach sang Simone Große Burlage das Lied „ De Loreley“ auf Hochdeutsch und Plattdütschk, wiederum begleitet von Heinz Hölscher.

Anschließend erzählte Maria Issel aus ihrem Leben als Brocks Mariechen. Die meisten Gäste  konnten sich noch allzu gut an diese Zeit erinnern. Nach dem Sketch „ Dat dat auck passeeren moss“ von Maria Oelck und Ludger Beckjunker, in dem es um eine falsche Todesanzeige ging, traten de Mönsterlänner Leedermarkers noch einmal auf. Die Spielschar des Heimatbundes brachte das Publikum schnell auf ihre Seite, als sie das Stück „ Jubiläum in Ächterkiärken“, aus der Feder von Willi Kamp, aufführte. Es ging um die Gestaltung eines Dorfjubiläums, worüber die Frauen  sich mit ihren Männern so richtig „ in die Haare“ kriegten. Die Frauen wollten gerne eine moderne und emanzipierte Feier organisieren, die Männer dagegen  aber keinesfalls von der Tradition abweichen. Die vier Ehepaare wurden dargestellt von Heinz Hölscher und Maria Issel, Markus Beckjunker und Christine Brüggemann, Willi Brocks und Maria Oelck, Ludger Beckjunker und Simone Große Burlage. Nach dem gemeinsamen Lied „ Adjüss un guette Nacht“ machten sich die Gäste mit dem Gefühl, einen vergnüglichen Abend gehabt zu haben, auf den Heimweg. An dieser Stelle sagt  der Vorstand allen, die sich für die Belange und Anliegen des Heimatbundes – in welcher Form auch immer- eingesetzt haben, ein ganz herzliches Danke, nicht zuletzt auch der Stadtverwaltung, die immer ein offenes Ohr für den Heimatbund hat, und bei der Emsdettener Volkszeitung für die bereitwillige und ausführliche Berichterstattung.

Helmut Rauer hat schon in einer Fotoausstellung am 11. Januar dieses Jahres mit mehreren hundert Bildern die Aktivitäten im vergangenen Jahr aus den verschiedenen Arbeitsbereichen in Erinnerung gerufen.

Der Vorstand traf sich im Jahr 2008 zu neun Sitzungen in dem wunderschönen denkmalgeschützten Gebäude von Hof Deitmar. Das Wohnhaus, das Holländer- und  Wannenmachermuseum sowie der Alte Speicher wurden Anfang des Jahres für rund 125.000 €  (Denkmalförderung: 28.000 €) saniert. In den Sitzungen unter der umsichtigen und zielorientierten Leitung des Vorsitzenden Manfred Schröder wurden viele der Aktivitäten durchdiskutiert, vorbereitet und nachbesprochen, deren Ergebnisse – wie ich meine- sich sehr wohl sehen lassen können. Alles in allem liegt ein erfolgreiches Jahr hinter uns.

Abschließend gedenken wir des Todes von Ludger Sahlmann, Schriftführer bis 1990 und langjähriges Mitglied der Vienndüwelgruppe, der im Alter von 81 Jahren am 7. März 2008 verstarb.

 

Ludger Beckjunker

 

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